WIBEG

Zahlreiche Studien dokumentieren, dass Personen mit Migrationshintergrund in schlechterer gesundheitlicher Verfassung sind als die autochthone Bevölkerung. Dies hängt mit unterschiedlichen Ursachen zusammen. Niedriges Bildungsniveau und sozioökonomische Benachteiligung haben bei allen Menschen negative gesundheitliche Auswirkungen. Bei MigrantInnen kommen noch andere Faktoren dazu: Belastende Lebensbedingungen vor und während der Migration bzw. Flucht können sich ebenso wie Diskriminierungserfahrungen körperlich und psychisch negativ auswirken.

Eine Empfehlung der Studie „Migration und Gesundheit“ (Gesundheit Österreich GmbH)1 aus dem Jahr 2015 lautet daher: „Ein Erhöhen der Inanspruchnahme von Präventions- und Gesundheitsförderungsmaßnahmen durch Migranten und Migrantinnen ist insbesondere durch Angebote zu verbessern, in denen Migranten und Migrantinnen als Zielgruppe explizit angesprochen werden.“ (S. 77)

Das Projekt WIBEG Tirol setzt hier an und geht neue Wege, um die Zielgruppe MigrantInnen an Angebote der Gesundheitsförderung heranzuführen. Es richtet sich an Frauen, denn bei gesundheitlichen Problemen sind Mütter und Großmütter oft die ersten, die Rat geben sollen und möchten. Das Projekt WIBEG Tirol lädt daher Frauen mit Migrationshintergrund ein, sich Basiswissen über Prävention und Gesundheit sowie über die wichtigen Institutionen des Gesundheitswesens anzueignen.

Mehrsprachige Gesundheitsmentorinnen schaffen eine Atmosphäre des Vertrauens und ermöglichen so, dass in kleinen Mütterrunden auch über schwierige Gesundheitsthemen gesprochen werden kann. Es handelt sich um ein aufsuchendes Angebot, daher finden die Treffen in den Wohnungen der Teilnehmerinnen statt, oder auch einem anderen Ort, der ihnen vertraut und angenehm ist. Das Informationsmaterial, das in einfacher Sprache auf Deutsch verfasst und auf die Gruppe der zugewanderten Menschen abgestimmt ist, wird genau erklärt und in der jeweiligen Erstsprache besprochen. Auf diese Weise erhalten auch Frauen mit niedrigem Bildungsniveau Zugang zu Informationen und erwerben wertvolle Alltagskompetenzen. Sie können dieses Wissen dann an ihr (familiäres) Umfeld weitergeben und in ihren Communities andere Menschen sensibilisieren.

Diese Strategie ist ganz im Sinne der Empfehlung aus der Studie „Migration und Gesundheit“: „Es reicht nicht, Sachinformationen bereitzustellen, da das Vertrauen in das ‚fremde‘ Gesundheitswesen langfristig aufgebaut werden muss. Offizielle Informationen sollen auch noch durch Erfahrungswissen von Familien oder lokalen Gemeinschaften validiert werden.“ (S. 76f) 

1Anzenberger, Judith/Bodenwinkler, Andrea/Breyer, Elisabeth (2015): Migration und Gesundheit. Literaturbericht zur Situation in Österreich. Im Auftrag der Arbeiterkammer Wien und des Bundesministeriums für Gesundheit. Wien: Gesundheit Österreich GmbH.

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