Zusammen lernen – Zusammen leben

Im Jahr 2017 verfügten 26% der Bevölkerung mit Migrationshintergrund im Alter von 25 bis 64 Jahren maximal über einen Pflichtschulabschluss. Insbesondere Migrantinnen und Migranten aus der Türkei hatten überwiegend (zu 58%) keine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung abgeschlossen. Zum Vergleich: Bei der inländischen Bevölkerung dieser Altersgruppe waren es nur 10%. (Vgl. Statistik Austria (2018): migration & integration. zahlen. daten. indikatoren 2018, S. 50)

Diese Zahlen zeigen deutlich, dass es für Menschen mit Migrationshintergrund schwieriger ist, ihren Platz im Bildungssystem zu finden bzw. mit seinen Anforderungen zurecht zu kommen. Das Projekt „Zusammen lernen – Zusammen leben“ soll in der Region Landeck den Zugang zu Bildung erleichtern und die Zusammenarbeit aller Beteiligten fördern.

Fehlende Information
Der Informationsstand über die Bedeutung von Bildung im Allgemeinen und über das österreichische Bildungssystem ist bei Menschen mit Migrationshintergrund oder Fluchtgeschichte mitunter gering. Manche kennen die Konzepte und Ideen nicht, die für den Kindergartenbesuch sprechen, und versäumen dadurch diesen wichtigen frühen Bildungsschritt für ihre Kinder. Andere haben nur lückenhafte Informationen über die verschiedenen Schultypen und Ausbildungsmöglichkeiten und orientieren sich daher primär an dem Weg, den Bekannte und Verwandte einschlagen, und weniger an den Interessen und Fähigkeiten der Kinder.
Die „Vererbung“ von niedrigem Bildungsniveau ist bei Menschen mit Migrationshintergrund deutlich stärker ausgeprägt (47%) als bei InländerInnen (22%). (Vgl. ebd.)

Teilhabe ermöglichen
In der Praxis ist deutlich erkennbar, dass Menschen mit Migrationshintergrund im direkten Kontakt mit Schulen, PädagogInnen und Behörden oder dem AMS eher zurückhaltend sind bzw. diesen Kontakt meiden. Angebote werden daher teils aus Unwissenheit nicht in Anspruch genommen.
Das große Ziel des Projekts ist es nun, den Zugang zu Informationen und Angeboten in der Region Landeck zu verbessern und damit gesellschaftliche Ungleichheiten zu überwinden. Stärkere Teilhabe führt zu mehr sozialer Inklusion und damit zu einer Verbesserung der Lebenssituation für alle Beteiligten.

Diversity-Kompetenz entwickeln
Das Projekt „Zusammen lernen – Zusammen leben“ begegnet den Herausforderungen mit einem ganzheitlichen Ansatz. Es richtet sich mit einem breiten Informations- und Beratungsangebot an Eltern, Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund oder Fluchtgeschichte. Pädagoginnen und Pädagogen sowie in Sozialeinrichtungen tätige Personen werden zum Austausch und zur Zusammenarbeit eingeladen, Diversity-Trainings für die involvierten Berufsgruppen sind vorgesehen.

Netzwerk aufbauen
Um die Zielgruppe erreichen zu können, ist es notwendig, ein Netzwerk aufzubauen und möglichst vielfältige Kontakte zu ermöglichen. Die Projektkoordination wird daher eng mit Bildungseinrichtungen (Kindergärten, Schulen), sozialen Einrichtungen, Verantwortlichen von Kulturvereinen sowie anderen Organisationen von MigrantInnen, MultiplikatorInnen und anderen Stakeholdern zusammenarbeiten.

Das Projekt fußt somit auf vier Säulen:

Informationsveranstaltungen
Was sollte schon während der Schwangerschaft bedacht werden? Wie profitieren Kinder davon, wenn sie einen Kindergarten besuchen? Wie lässt sich der Schulalltag gut organisieren? Worauf kommt es beim Lernen an? Mit welchen Fragen können sich Eltern an Lehrerinnen und Lehrer wenden? Welche Erwartungen haben Pädagoginnen und Pädagogen an die Eltern? Welche Schulveranstaltungen gibt es und wozu dienen sie?
Während der gesamten Projektlaufzeit finden öffentliche Informationsveranstaltungen statt, in denen diese und weitere Themen mehrsprachig vermittelt werden.

Exkursionen
Wie sieht die Geburtenstation im Krankenhaus Zams aus? Was ist eine Mütterberatung? Wie ist der Kindergarten ausgestattet? Wo ist das Arbeitsmarktservice und welche Hilfe kann man dort bekommen?
Durch Besuche und persönliche Kontakte vor Ort werden Zugangsbarrieren verringert.

Beratung
Wo liegen die persönlichen Interessen und Fähigkeiten des Kindes? Welcher Bildungsweg ist der passende? Wie kann die Eignung herausgefunden werden? Welche Vor- und Nachteile haben die einzelnen Schultypen? Welche Lehrberufe gibt es und welche Berufe haben Zukunft?
Diese und viele weitere Fragen können in Beratungsgesprächen erörtert werden.

Angebote für PädagogInnen und andere Berufsgruppen
Wie kann die Zusammenarbeit mit Menschen aus anderen Ländern gelingen? Welche Bilder haben MigrantInnen in Bezug auf den Kontakt mit Schulen? Wie kann es gelingen, auch bildungsferne Eltern zu erreichen? Welche Unterstützungsangebote gibt es?

In regelmäßigen Treffen wird der interprofessionelle Austausch zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in das Bildungssystem gepflegt.

Das Projekt „Zusammen lernen – Zusammen leben“ läuft von März 2019 bis Dezember 2021.

Es finden laufend Informationsveranstaltungen statt, zu denen wir Sie gerne einladen möchten.
Bei Interesse geben Sie uns bitte Ihre Kontaktdaten bekannt.

Tel 0512 562929 700
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