• „Zusammen lernen – Zusammen leben“ in Landeck

      Kinder haben unterschiedliche Interessen und Talente, Wünsche und Ideen. Herauszufinden, welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bildungskarriere erforderlich sind, ist eine große Aufgabe. Das Projekt „Zusammen lernen – Zusammen leben“ unterstützt Familien mit Migrationshintergrund in der Region Landeck bei der Orientierung im österreichischen Bildungssystem. Ziel ist es, den Zugang zu Bildung zu erleichtern und die Zusammenarbeit aller Beteiligten zu fördern. In Beratungsgesprächen, Informationsveranstaltungen und Exkursionen haben Interessierte die Möglichkeit, all ihre Fragen zu stellen und somit Sicherheit zu gewinnen. Eltern wollen, dass ihre Kinder ein gutes Leben führen können. Sie wünschen ihnen Sicherheit, Erfolg und Zufriedenheit. Bildung ist ein wichtiger Schlüssel dafür! Lesen Sie mehr.

Gegen Extremismus hilft Demokratie

Schulen spielen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, Verständnis und Toleranz zu fördern und das kritische Nachdenken über kontroverse und sensible Themen zu üben. Das Projekt PRACTICE unterstützt dabei.

Thomas Rammerstorfer ist freier Journalist und Experte für extremistische Phänomene sowie Berater für Radikalisierungsprävention. Im Rahmen des Projekts PRACTICE gestaltet er im Auftrag des Vereins Multikulturell verschiedene Vorträge und Trainings. Im Februar 2020 hielt er einen Vortrag bei der Schulsozialarbeit Tirol zum Thema „Extremistische Vielfalt – antidemokratische Tendenzen in Österreich“.

Wenn heute von Radikalisierung und Extremismus die Rede ist, drängt sich wohl bei vielen der Gedanke an islamistischen Extremismus auf, vielleicht sogar an jene Menschen, die auch aus Österreich in den Nahen Osten gereist sind, um sich dem IS anzuschließen. Der Titel Ihres Vortrags weist schon darauf hin, dass das Thema komplexer ist.
Ja, es gibt tatsächlich eine Vielfalt an extremistischen Phänomenen, und mir ist es wichtig, das Thema umfassend zu beleuchten. Man muss, um darüber reden zu können, zuerst einmal die Begriffe klären. Was ist eigentlich Nationalismus? Was heißt politisch links, was rechts? Da hört man dann mitunter eigenwillige Annahmen, dass zum Beispiel Menschen oder Gruppen, die politisch rechts stehen, Nazis sind. Das ist nicht hilfreich für die Debatte und in der Präventionsarbeit wird daher Wert darauf gelegt, Begriffe klar und differenziert zu verwenden. Wobei manche Begriffe einfach schwierig bleiben.

Welche zum Beispiel?
Extremismus kommt vom Lateinischen für das „Äußerste“, „das Entfernteste“, „das Ärgste“. Der Begriff geht davon aus, dass es eine „Mitte“ gibt, von der abgewichen wird. Aber was ist diese Mitte? Was man sagen kann: Extremistische Gruppen lehnen grundlegende Werte und Institutionen des demokratischen Staates ab.

Und wie definieren Sie Fundamentalismus?
Fundamentalistische Gruppen und Bewegungen beziehen sich auf eine einzige Wahrheit, die sie als das „Fundament“ sehen. Meistens wird dieser Begriff in Bezug auf Religion verwendet, vor allem auf den Islam. Ich nenne das dann den religiös maskierten Fundamentalismus.

Heißt das, dass die Religion als Motiv nur vorgeschoben wird?
Es gibt unter den Fundamentalisten einen großen Anteil von Menschen, die auf der Suche nach einer Identität sind. Sie wollen dazugehören, zu einer größeren Bewegung oder auch zu einem kleinen exklusiven Kreis. Was sie in diesen Gruppen finden, ist eine enge Verschworenheit, die straff hierarchisch organisiert ist. Das befriedigt die Sehnsucht nach einer klaren Ordnung, nach einer homogenen Gesellschaft, in der „die Welt noch in Ordnung“ ist.

Was kann man diesen Menschen anbieten, um zu verhindern, dass sie sich extremistischen Ideen zuwenden?
Ich finde, dass das Angebot der Schulsozialarbeit in Tirol schon ein wirklich großartiges ist. Die SozialarbeiterInnen sind wirklich als Ansprechpartner vor Ort, sie kommen nicht nur punktuell, wenn es Konflikte oder Probleme gibt, sondern können eine Beziehung aufbauen. Wichtig ist es aus meiner Sicht, dass man den Menschen offen und vorurteilsfrei begegnet, aber trotzdem ohne Scheuklappen.

Was heißt das konkret?
Das heißt, dass man zum Beispiel auch vor extremistischen Strömungen unter MigrantInnen die Augen nicht verschließt, sondern sich dafür interessiert und versucht, darüber ins Gespräch zu kommen. Eine falsch verstandene Toleranz hilft hier nicht weiter.

Es wird manchmal als schwierig erlebt, hier Position zu beziehen, weil man sich ja nicht in die „Kultur“ der MigrantInnen einmischen will, vor allem, weil es sich hier um Gruppen handelt, die Diskriminierung erleben, oder?
Eigentlich ist es ganz einfach: Man muss den Menschen immer klar vermitteln, dass man an ihrer Seite ist, wenn sie diskriminiert werden. Aber nicht, wenn sie selbst andere diskriminieren. Wir müssen uns von der Annahme verabschieden, dass es gute und schlechte Menschen gibt. Stattdessen müssen wir lernen, mit Widersprüchen zu leben und darüber zu reden.

Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Schulen?
Die Schulen haben eine überragende Bedeutung, weil sie Menschen aus ganz unterschiedlichen Milieus zusammenbringen. Für diese anspruchsvolle Arbeit werden sie aus meiner Sicht zu wenig gewürdigt.

Lehrpersonen stehen aber auch immer wieder vor großen Herausforderungen, wenn sie zum Beispiel merken, dass sich eine Gruppe mit bestimmten Symbolen von anderen abgrenzt.
Eine gewisse Kenntnis der Symbole ist für PädagogInnen wichtig und hilfreich, um einordnen zu können, was vielleicht gerade in Gang kommt. Allerdings sollte man auch nicht überreagieren, wenn Kinder und Jugendlich einmal Symbole malen, die als bedenklich gelten. Es gibt auch eine gewisse Lust an der Provokation, die ganz normal ist und nicht gleich kriminalisiert werden sollte.

Noch einmal: Was kann gegen diese Sehnsucht nach rigiden Strukturen, die es in extremistischen Gruppen gibt, helfen?
Es sollte gelingen, dass junge Menschen Demokratie cool finden, und nicht eine bestimmte Nation oder Religion. Ich würde mir eine Demokratieliebe, die Parteigrenzen und auch alle anderen Grenzen überschreitet, eine diskursfreudige Haltung, die mit Widersprüchen konstruktiv umgeht und nicht müde wird, nachzufragen und zu diskutieren. Das ist aus meiner Sicht das einzig wahre Gegenmodell zu den autoritären Strukturen, die es in verschiedenen Staaten gibt.

Das klingt gut. Wie kann es gelingen?
Entscheidend ist, dass man Demokratie nicht als reinen Vorgang versteht, etwa einen Wahlvorgang, sondern dass Menschen schon früh erfahren dürfen, was Mitsprache, Diskussion und Beteiligung bedeuten.

Da sprechen sie die Erziehung zu Hause und in den Bildungseinrichtungen an. Sehen Sie noch weitere Ansatzpunkte?
Die Medienlandschaft müsste sich deutlich verändern und mehr Vielfalt und Differenziertheit anbieten. Aber auch die Sprache und der Habitus der Politik müsste sich verändern, um die Bevölkerung für eine demokratische Haltung zu gewinnen. PolitikerInnen versuchen heute immer, zu vermitteln, dass sie alles wissen. Sie weichen aus, antworten nicht, geben nie einen Fehler zu. Ich wünsche mir, dass PolitikerInnen einfach mal sagen, „darüber muss ich nachdenken“ oder „ich habe mich geirrt“. Das wäre nicht nur ehrlich, sondern auch demokratiefördernd.

 

Thomas Rammerstorfer leitet im Rahmen des Projekts PRACTICE gemeinsam mit seiner Kollegin, der Trainerin Marina Wetzlmaier, Workshops an zahlreichen Schulen in Tirol.

Hier gehts zur Projekt Website.

 

 

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