• „Zusammen lernen – Zusammen leben“ in Landeck

      Kinder haben unterschiedliche Interessen und Talente, Wünsche und Ideen. Herauszufinden, welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bildungskarriere erforderlich sind, ist eine große Aufgabe. Das Projekt „Zusammen lernen – Zusammen leben“ unterstützt Familien mit Migrationshintergrund in der Region Landeck bei der Orientierung im österreichischen Bildungssystem. Ziel ist es, den Zugang zu Bildung zu erleichtern und die Zusammenarbeit aller Beteiligten zu fördern. In Beratungsgesprächen, Informationsveranstaltungen und Exkursionen haben Interessierte die Möglichkeit, all ihre Fragen zu stellen und somit Sicherheit zu gewinnen. Eltern wollen, dass ihre Kinder ein gutes Leben führen können. Sie wünschen ihnen Sicherheit, Erfolg und Zufriedenheit. Bildung ist ein wichtiger Schlüssel dafür! Lesen Sie mehr.

„Wir dürfen niemanden zurücklassen“

Zahlreiche Branchen klagen über Personalmangel. Statistiken zeigen, dass Menschen mit Migrationshintergrund in der Arbeitswelt schwer Fuß fassen. Die Forscherin Gudrun Biffl analysiert die Lage und arbeitet an Strategien.

Im Dezember 2019 referierte die Wirtschaftswissenschaftlerin, Migrations- und Integrationsexpertin Gudrun Biffl auf Einladung des Vereins Multikulturell in Innsbruck. Sie gab zunächst umfassende Einblicke in die Entwicklung des Arbeitsmarktes in Österreich und hielt fest, dass die Anzahl der Arbeitskräfte mit nichtösterreichischer Staatsbürgerschaft seit vielen Jahren kontinuierlich steigt.

Sichtbarkeit ist positiv
„Der Ausländeranteil an der Beschäftigung erhöhte sich von 5,4% im Jahr 1988 auf 20,1% im Jahr 2018“, erklärte die Forscherin und ergänzte, dass die Arbeitslosenquote der AusländerInnen stets über dem Durchschnitt lag. Jedoch: „Eine hohe Arbeitslosenquote ist nicht unbedingt schlecht“, ließ Biffl wissen. Nur Menschen, die sehr nah am Arbeitsmarkt sind, würden in der Arbeitslosenstatistik aufscheinen, und das sei grundsätzlich ein gutes Zeichen: „Zum Glück müssen die Arbeitslosen heute nicht mehr versteckt werden. Das war früher anders“, so der Befund der Wissenschaftlerin.

Mehr MigrantInnen selbständig
Auffallend ist, dass die selbständige Erwerbstätigkeit von AusländerInnen überproportional zunimmt. Zwischen 2008 und 2018 hat sich die Zahl der selbständigen AusländerInnen fast verdreifacht, der Ausländeranteil unter den Selbständigen stieg von 10,5% auf 23,5%. „Vor allem Gruppen, die stark von Diskriminierung betroffen sind, wie zum Beispiel jene aus Subsahara-Afrika, gehen in die Selbständigkeit“, führte Biffl aus.

Kommunikation in Unternehmen fördern
Integrationsarbeit ist nach Ansicht von Gudrun Biffl jedenfalls dringend notwendig. Arbeitsmarktintegration und gesellschaftliche Integration sind nicht voneinander zu trennen, sie bedingen einander gegenseitig und bieten unterschiedliche Ansatzpunkte. „Die Flüchtlingsbewegung der letzten Jahre hat dazu geführt, dass die laufende Integrationsarbeit von MigrantInnen vernachlässigt wurde“, stellt Biffl fest und plädiert für eine Kultur gelebter Diversität in Unternehmen. Es brauche dafür nicht unbedingt immer Schulungen zu interkultureller Kompetenz, vielmehr gehe es darum, die Kommunikation zwischen den MitarbeiterInnen gezielt zu fördern, „egal zu welchem Thema“. Hilfreich seien zum Beispiel Formate wie Gesundheitszirkel: „Hier kommen MitarbeiterInnen eines Unternehmens zusammen, können Erfahrungen austauschen, einander besser kennenlernen. Dadurch verbessert sich automatisch das Miteinander“, meint die Integrationsexpertin. Auch Fortbildungen zu ganz unterschiedlichen Themen, in denen gemeinschaftliches Lernen gefördert wird, könnten sehr wirksam sein. „Die interkulturelle Kommunikation muss gezielt gefördert werden. Sie in die Kaffeepausen zu verlegen, funktioniert nicht“, stellte Biffl klar.

Wechselseitiges Verständnis und Orientierung ermöglichen
Wirksame Modelle gebe es viele, auch Orientierungskurse zum besseren Verständnis der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Organisation in Österreich und in den Herkunftsländern seien ein guter Ansatz. Allerdings seien die bisherigen Wertekurse im Umfang von acht Stunden viel zu wenig, befand Biffl und plädierte für eine umfassende Öffnung der Gesellschaft: Mitarbeit im Freiwilligenbereich könnte zur besseren Vernetzung in der lokalen Zivilgesellschaft beitragen, theaterpädagogische Projekte könnten helfen, gesellschaftliche Verhaltensmuster  in unterschiedlichen Settings für beide Seiten verstehbar zu machen etc.

„Die Teilung in Zuwanderer und Einheimische funktioniert nicht mehr“, sagt Gudrun Biffl und wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass gelungene Integration nicht nur den Menschen mit Migrationshintergrund Vorteile bringt, sondern der ganzen Gesellschaft: „Wir dürfen niemanden zurücklassen, wir müssen uns engagieren.“

Im Rahmen des transnationalen Projektes „MILE – Migrants Integration in the Labour market in Europe” (finanziert durch den Fonds der Europäischen Union für Asyl, Migration und Integration) engagiert sich der Verein Multikulturell für die Integration von MigrantInnen in den Arbeitsmarkt. Der Vortrag fand im Rahmen des Projektes in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Tirol statt.
Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

 

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Zum Projekt

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