TIP TOP

MigrantInnen sind frühzeitiger als einheimische Vergleichsgruppen mit Gesundheitsrisiken und in der Folge im Alter stärker mit Hilfs- und Pflegebedürftigkeit konfrontiert als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Barrieren für die Nutzung von bestehenden Einrichtungen sind neben einem großen Informationsdefizit über Gesundheitsvorsorge/ -prävention und Wissen über medizinische Einrichtungen und Angebote auch ein geringeres Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit (bedingt auch durch mangelnde oder fehlende Sprachkenntnisse, Misstrauen/ Ängste und sozio-ökonomische Faktoren in den Familien).

Für eine Herz-Kreislauf-Prävention für MigrantInnen sind daher besondere, auf die jeweiligen Lebenswelten angepasste, Zugänge erforderlich.

Das Projekt zielt auf eine Verhaltensänderung in den Familien ab. Traditionelle Speisen sollen durch ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse angepasst werden, Bewegung und sportliche Betätigung einen höheren Stellenwert gewinnen. In den meisten Familien sind die Frauen / Mütter die treibende Kraft für eine gesundheitsfördernde Veränderung des Lebensstils. Aus diesem Grund setzt das Projekt im Sinne der Herz-Kreislauf-Prävention vor allem auf die Information und Motivation der Frauen.

Die Migrantinnen werden in einem ersten Schritt durch mehrsprachige Broschüren mit den neuen Erkenntnissen der Herz-Kreislauf-Gesundheit vertraut gemacht. In Workshops haben die Frauen in der Gruppe die Möglichkeit, die vorgeschlagenen Präventionsmaßnahmen auszuprobieren und die Umsetzbarkeit in ihre ganz persönliche Lebenswelt auszutesten. Die neuen Rezepte werden vor Ort ausprobiert und verkostet, die speziell für Migrantinnen entwickelten Bewegungsprogramme für Familie, Wohnung, Arbeitsplatz werden ausprobiert und ihre Umsetzbarkeit in den einzelnen Lebenswelten diskutiert.

Die mehrsprachigen Videos dienen zur Verbreitung der Projektidee, der entwickelten multikulturellen Tipps und Maßnahmen und stellen das notwendige Anschauungsmaterial zur Verfügung. Das Projekt wird in Tirol in Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern aus unterschiedlichen Bereichen pilotiert. Zu den wichtigsten Kooperationspartnern und MultiplikatorInnen zählen die Frauenklinik Innsbruck, die Österreichische Kardiologische Gesellschaft, das Herzinfarkt-Netzwerk Tirol, die jeweiligen Bezirkshauptmannschaften, Gemeinden, Sozia- und Gesundheitssprengel, das Integrationsforum Tirol sowie die lokalen Volkshochschulen. Der Inhalt der Informationsmaßnahmen im Hinblick auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit richtet sich grundsätzlich sowohl an Männer als auch Frauen. Um die benachteiligte Lage von weiblichen Migrantinnen in Tirol auszugleichen, wird bei diesem Projekt sichergestellt, dass gezielt Frauen angesprochen werden (über die entsprechenden Schnittstellen und MultiplikatorInnen). Die Erfahrungen mit der Zielgruppe aus anderen Projekten zeigen, dass Gesundheit, Ernährung und Bewegung in migrantischen Familien eher "Frauenthemen" sind und Mütter in dieser Hinsicht eine wichtige Vorbildfunktion haben. Ihre Rolle als Wissensvermittlerinnen innerhalb des Familien- und Bekanntenkreises wird durch dieses Projekt gestärkt. Für manche ethnischen Gruppen und Themen versprechen spezielle Frauenveranstaltungen mehr Erfolg als gemischte Gruppen. Die wachsende Übergewichtigkeit (mit den daraus resultierenden Risikofaktoren) unter Migrantenkindern aufgrund falscher Ernährung und zu wenig Bewegung ist eines der Themen, das mittels dieses Projekts am effiktivsten über Frauen bzw. Mütter weitergegeben werden kann. Die Prävention zur Herz-Kreislauf-Gesundheit umfasst folgende Maßnahmen:

  • Erstellen von multilingualen Informationsmaterialien und -maßnahmen für die Zielgruppen (Broschüren, Videos, Informationsveranstaltungen, Workshops)
  • Information der Zielgruppe
    • im Rahmen des bisherigen Beratungsangebotes des Vereins Multikulturell (z.B. Beratungen in Innsbruck, Fulpmes, Telfs),
    • bei den Projektveranstaltungen (Informationsveranstaltungen und Workshops) des Verein Multikulturell, der Kooperationspartner und der MultiplikatorInnen
    • durch die Materialien, die von den Kooperationspartnern sowie MultiplikatorInnen aufgelegt und verbreitet werden (Broschüren, Videos und Unterlagen).
  • Bewusstseinsbildung über gesundheitliche Risiken, Gefahren und Präventionsmöglichkeiten für die Herz-Kreislauf-Gesundheit
  • Aufzeigen der eigenen Handlungsmöglichkeiten
  • Stärkung von Eigeninitiative, Autonomie und Eigenverantwortlichkeit
  • Heranführen der Zielgruppe an Präventionsmaßnahmen und entsprechende Einrichtungen (Information, Stärkung des nötigen Selbstbewusstseins)
  • Information der Präventionseinrichtungen über die besonderen Bedürfnisse der Zielgruppe und bei Bedarf Gespräche über die mögliche Adaptierung der Angebote
  • Lehrgang zur Ausbildung von Ernährungs- und Bewegungsmotivatorinnen (MultiplikatorInnen aus den verschiedenen Zielgruppe, am interkulturellen Dialog interessierte MitarbeiterInnen aus dem Gesundheitsbereich).
  • Die Lehrgangsteilnehmerinnen setzen ihr Wissen in den Workshops zu Ernährung und Bewegung mit den Kooperationspartnern in die Praxis um und werden als Absolventinnen die Idee des Projekts TIP TOP weitertragen.

Bei der Umsetzung wird auf die kulturellen und sprachlichen Unterschiede geachtet, es wird auf einen niederschwelligen Zugang zu den Zielgruppen Wert gelegt – sie werden an ihren gewohnten Orten abgeholt.

Link zur Webseite: http://tiptop.tirol